Wesentliche mechanische Eigenschaften, die die Dauerfestigkeit von Nockenwellen definieren
Härte und Oberflächenintegrität unter hoher Kontaktspannung
Die Lebensdauer einer Nockenwelle hängt tatsächlich stark von der Härte des Materials ab, da dieses den enormen Kontaktspannungen standhalten muss, die über 1500 MPa betragen können. Auch die Oberflächenbeschaffenheit ist entscheidend: Wenn Hersteller sich die Zeit nehmen, die Oberfläche ordnungsgemäß zu schleifen und zu polieren, verhindern sie die Entstehung winziger Risse, die andernfalls den Verschleiß beschleunigen würden. Die meisten Konstrukteure sind sich einig, dass eine Härte im Bereich von etwa 55 bis 65 HRC am besten geeignet ist, da sie einen guten Verschleißschutz bietet und gleichzeitig ausreichend zäh bleibt, um ein plötzliches Brechen zu vermeiden. Geschmiedete Bauteile aus legiertem Stahl zeichnen sich unter diesen Bedingungen besonders aus und bleiben selbst nach Hunderten von Millionen von Ventilhubzyklen stabil. Einige Werkstätten berichten sogar über mehr als 500 Millionen Zyklen bis zum erforderlichen Austausch – konkrete Ergebnisse variieren jedoch je nach Betriebsbedingungen.
Ermüdungsbeständigkeit für dauerhaften Hochdrehzahlbetrieb
Wenn Motoren über Tausende von Belastungszyklen bei Drehzahlen über 6.000 U/min laufen, benötigen sie wirklich Werkstoffe, die über lange Zeit Ermüdung widerstehen können. Die Komponenten müssen all diese Biegekräfte, die von leistungsstarken Ventilfedern ausgehen, ohne Rissbildung bewältigen. Auch eine gleichmäßige Mikrostruktur im gesamten Werkstoff ist von großer Bedeutung – insbesondere bei vakuumgeschmolzenen Stählen. Diese Stähle weisen tendenziell weniger verborgene Fehler auf, die sich unter Druck zu Problemstellen entwickeln könnten. Schlüsselwerte liefern hier entscheidende Hinweise: Die Dauerfestigkeit muss mindestens etwa 800 MPa betragen, und die Kerbschlagzähigkeit sollte über 90 MPa·√m liegen. Mit diesen Eigenschaften können Bauteile zuverlässig über 400.000 Kilometer Fahrleistung hinweg funktionieren.
Führende Nockenwellenwerkstoffe und ihre praktischen Leistungs-Kompromisse
Sphäroguss vs. legierte Stähle: Abwägung zwischen Verschleißfestigkeit, Festigkeit und Kosten
Die Auswahl des richtigen Materials für Nockenwellen erfordert einen Kompromiss zwischen Verschleißfestigkeit, struktureller Festigkeit und wirtschaftlicher Sinnhaftigkeit. Sphäroguss, auch als SG-Guss bezeichnet, zeichnet sich dadurch aus, dass er Schwingungen besonders gut dämpft und eine höhere Ermüdungsfestigkeit aufweist als viele Alternativen – daher wird er häufig in Serienmotoren eingesetzt. Die einzigartige kugelförmige Graphitstruktur dieses Materials hilft dabei, Spannungen an bestimmten Stellen zu absorbieren, wodurch der Verschleiß an den Nocken bei Betrieb unter Ölschmierbedingungen reduziert wird. Für Anwendungen mit noch anspruchsvolleren Leistungsanforderungen bieten legierte Stähle wie 4140 deutlich höhere Zugfestigkeit und Oberflächenhärte. Dadurch können Motorkonstrukteure die Ventilfedern stärker belasten und während des Betriebs schnellere Steiggeschwindigkeiten (Ramp Rates) erreichen. Diese Stahllösungen bergen jedoch Nachteile: Sie erfordern aufwändigere Bearbeitungsverfahren sowie umfangreiche Wärmebehandlungen, was die Fertigungskosten im Vergleich zu Gießverfahren typischerweise um 30 bis 50 Prozent erhöht.
Nodularguss funktioniert hervorragend bis zu einer Drehzahl von etwa 7.000 U/min; danach zeigen sich erste Anzeichen von Belastung durch die hohe Rotationsbewegung. Legierte Stähle eignen sich besser für leichtere Komponenten, die sich sehr schnell drehen; allerdings gibt es hier eine Einschränkung: Sie erfordern während der Fertigung unbedingt eine sorgfältige Wärmebehandlung, andernfalls besteht die Gefahr unerwarteter Rissbildung unter mechanischer Beanspruchung. Wenn bei kommerziellen Fahrzeugbetrieben vor allem die Kosten im Vordergrund stehen, schneidet SG-Eisen (Sphäroguss) immer noch besser ab, wenn man Lebensdauer und Anschaffungskosten miteinander vergleicht. Daher entscheiden sich Rennwagen und Motoren mit Aufladesystemen in der Regel trotz der höheren Kosten für die teureren Stahlvarianten – denn diese halten etwa 15 bis 20 Prozent höhere Lasten aus, bevor sie versagen, verglichen mit anderen heute auf dem Markt verfügbaren Werkstoffen.
Wärmebehandlungsstrategien zur Optimierung der Nockenwellen-Mikrostruktur und -Lebensdauer
Induktionshärten und Austempern: Erhöhung der Oberflächenhärte bei gleichzeitiger Erhaltung der Kernzähigkeit
Die richtige Wärmebehandlung macht den entscheidenden Unterschied, wenn es darum geht, den idealen Kompromiss zwischen Oberflächenhärte und Kernduktilität zu erreichen. Bei der Induktionshärtung können wir gezielt die Nockenflächen erwärmen – mithilfe elektromagnetischer Felder auf etwa 900 Grad Celsius. Dadurch entsteht eine besonders widerstandsfähige martensitische Schicht mit einer Härte von über 50 auf der Rockwell-Skala; zudem tritt deutlich weniger Verzug auf als bei herkömmlichen Ofenverfahren. Ergänzt wird dieses Verfahren durch das Austempern: Durch eine Temperung des Kerns bei Temperaturen zwischen ca. 250 und 400 Grad Celsius während einer isothermen Umwandlung entstehen zähe Bainit-Strukturen im gesamten Werkstoff – statt sprödem Martensit.
Diese zweistufige Prozessstrategie bietet zwei sich gegenseitig ergänzende Vorteile:
- Eine gehärtete Oberfläche widersteht den direkten Kontaktspannungen durch Stoßstangen und Kipphebel
- Ein duktiler, bainitischer Kern absorbiert zyklische Biege- und Torsionslasten bei Hochdrehzahlbetrieb
Die resultierenden Druck-Restspannungen verringern die Ermüdungsrissausbreitung um 30 %, so die metallurgischen Richtlinien von ASM International aus dem Jahr 2023. Durch gezielte Abschreckgeschwindigkeiten werden zudem mikrostrukturelle Anomalien – wie unvergüteter Martensit – vermieden, die die Konsistenz über den gesamten thermischen Betriebsbereich beeinträchtigen würden.